Warum all dies nötig ist, sieht man an der Entwicklung von Leipzigs Straßenbäumen: Ihre Zahl schrumpft kontinuierlich. Seit Beginn der Dürre im Jahr 2018 sterben jährlich tausende Bäume durch Hitze und Trockenheit und den dadurch begünstigten Krankheits- und Schädlingsbefall. Mehrere Strategiepapiere wie das Leipziger Straßenbaumkonzept (2019), das Leipziger Sofortmaßnahmenprogramm zum Klimanotstand (2020) sowie aktuell das Energie- und Klimaschutzprogramm (EKSP2030) sehen zwar die längst überfällige Erhöhung des Leipziger Straßenbaumbestandes um 1.000 zusätzliche Bäume pro Jahr vor. In der Realität scheitert der geplante Zuwachs jedoch an der schieren Menge vertrockneter Bäume, die ersetzt werden müssen.
Im Schnitt verzeichnet Leipzig pro Jahr ein Minus von rund 665 Stadtbäumen statt eines Zuwachses von 1.000. Nicht mitgezählt sind dabei die massiven Baumverluste auf Baugrundstücken und im Stadtwald. Die Klimakrise ist in Leipzig längst angekommen und wirft alle Planungen der Stadt mühelos über den Haufen.
Seit Jahren zu wenig Wasser
Waren im ersten Dürrejahr 2018 besonders viele Jungbäume infolge ausgetrockneter Oberböden abgestorben, folgten in den Jahren 2019 und 2020 vor allem Altbäume in Parks und Grünanlagen infolge abgesunkener Grundwasserspiegel. Das Sommerhalbjahr 2021 brachte häufiger Regen und damit etwas Entspannung für die Bäume. Aber bereits ab dem Winterhalbjahr 2021/22 waren die Niederschläge wieder zu kurz und mit viel zu geringen Wassermengen. Seit dem Frühjahr 2022 zeigt der Dürremonitor für Sachsen extreme bis außergewöhnliche Dürre an.
Leider führen diese Ereignisse noch immer nicht zu einem Umdenken: Jüngstes Beispiel ist die Fällung einer riesigen, gesunden Kastanie zwischen Odermannstraße und Lindenauer Markt, ausgerechnet am 20. Juli, dem bis dahin heißesten Tag des Jahres. Dieser Baum spendete Schatten, Kühle und Frischluft an diesem von vielen Menschen frequentierten Ort. An seine Stelle wird jetzt ein Haus gebaut.
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